Freistellungsauftrag richtig nutzen: So sicherst du dir steuerfreie Kapitalerträge
- 25. Juni
- 3 Min. Lesezeit

Wer Geld auf einem Tagesgeldkonto anlegt, in ETFs investiert oder Dividenden aus Aktien erhält, erzielt sogenannte Kapitalerträge. Was viele Anleger jedoch nicht wissen: Ohne einen Freistellungsauftrag führt die Bank automatisch Steuern auf diese Erträge ab, selbst dann, wenn die gesetzlichen Freibeträge noch gar nicht ausgeschöpft sind. Die gute Nachricht: Mit einem Freistellungsauftrag kannst du einen Teil deiner Kapitalerträge steuerfrei erhalten und musst nicht erst auf eine Rückerstattung über die Steuererklärung warten. Gerade für Sparer und Anleger gehört der Freistellungsauftrag zu den einfachsten Möglichkeiten, unnötige Steuerabzüge zu vermeiden. In diesem Artikel erfährst du, wie ein Freistellungsauftrag funktioniert, welche Freibeträge gelten und welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest.
Was ist ein Freistellungsauftrag?
Ein Freistellungsauftrag ist eine Anweisung an deine Bank oder deinen Broker, Kapitalerträge bis zu einer bestimmten Höhe von der automatischen Besteuerung freizustellen. Normalerweise werden auf Zinserträge, Dividenden und realisierte Kursgewinne die sogenannte Abgeltungssteuer sowie weitere Zuschläge erhoben. Liegt jedoch ein gültiger Freistellungsauftrag vor, werden diese Steuern bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags nicht automatisch einbehalten.Dadurch erhältst du deine Erträge direkt ausgezahlt, ohne später eine Steuererstattung beantragen zu müssen.
Der Sparerpauschbetrag im Überblick
Die Grundlage für den Freistellungsauftrag bildet der gesetzliche Sparerpauschbetrag.

Aktuell können Kapitalerträge bis zu folgenden Beträgen steuerfrei bleiben:
1.000 Euro pro Jahr für Einzelpersonen
2.000 Euro pro Jahr für zusammen veranlagte Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner
Erst wenn die Kapitalerträge diese Grenze überschreiten, fallen auf den darüber hinausgehenden Betrag Steuern an. Für viele Anleger reichen diese Freibeträge bereits aus, um einen Großteil ihrer jährlichen Zinsen und Dividenden steuerfrei zu vereinnahmen.
Warum ein Freistellungsauftrag sinnvoll ist
Ohne Freistellungsauftrag zieht die Bank die anfallenden Steuern automatisch ab , unabhängig davon, ob dein Freibetrag bereits ausgeschöpft wurde oder nicht. Zwar kannst du zu viel gezahlte Steuern später über die Einkommensteuererklärung zurückfordern, allerdings bedeutet das zusätzlichen Aufwand und längere Wartezeiten. Mit einem korrekt eingerichteten Freistellungsauftrag vermeidest du diesen Umweg. Deine Kapitalerträge werden direkt bis zur Höhe des Freibetrags steuerfrei berücksichtigt, wodurch du schneller über dein Geld verfügen kannst.
So richtest du einen Freistellungsauftrag ein
Die Einrichtung ist in der Regel unkompliziert. Die meisten Banken und Broker bieten die Möglichkeit, einen Freistellungsauftrag direkt im Online-Banking oder Kundenportal einzurichten.
Dafür benötigst du meist:
deinen Namen
deine Steuer-Identifikationsnummer
die gewünschte Höhe des Freibetrags
Nach der Bestätigung wird der Freistellungsauftrag direkt bei der Bank hinterlegt und bei zukünftigen Kapitalerträgen automatisch berücksichtigt.
Freistellungsauftrag auf mehrere Banken verteilen
Viele Menschen besitzen mehrere Konten oder Depots bei unterschiedlichen Banken. In diesem Fall kannst du deinen Freibetrag auf mehrere Institute aufteilen. Wichtig dabei: Die Summe aller Freistellungsaufträge darf den gesetzlichen Höchstbetrag nicht überschreiten.
Ein Beispiel:
Tagesgeldkonto: 300 Euro Freistellungsauftrag
Depot bei Broker A: 500 Euro
Depot bei Broker B: 200 Euro
Insgesamt ergibt das 1.000 Euro und entspricht damit dem maximalen Freibetrag für Einzelpersonen. Eine regelmäßige Überprüfung der Verteilung kann sinnvoll sein, insbesondere wenn sich deine Anlagen oder Kapitalerträge verändern.
Typische Fehler beim Freistellungsauftrag

Obwohl die Einrichtung einfach ist, passieren immer wieder Fehler. Ein häufiger Fehler besteht darin, überhaupt keinen Freistellungsauftrag einzurichten. Dadurch werden unnötig Steuern einbehalten, obwohl der Freibetrag noch nicht ausgeschöpft ist. Ebenso problematisch ist eine falsche Verteilung des Freibetrags auf mehrere Banken. Wird der Freibetrag bei einer Bank kaum genutzt, während bei einer anderen bereits Steuern anfallen, bleibt Potenzial ungenutzt. Auch Veränderungen der persönlichen Situation, etwa durch eine Heirat oder einen Depotwechsel, sollten Anlass sein, bestehende Freistellungsaufträge zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.
Was passiert, wenn kein Freistellungsauftrag vorliegt?
Fehlt ein Freistellungsauftrag, führt die Bank automatisch die Abgeltungssteuer auf deine Kapitalerträge ab. Das bedeutet jedoch nicht, dass dein Freibetrag verloren ist. Du kannst die zu viel gezahlten Steuern in vielen Fällen über deine Steuererklärung zurückholen. Dennoch ist es deutlich einfacher und komfortabler, den Freibetrag direkt über einen Freistellungsauftrag zu nutzen und unnötige Steuerabzüge von Anfang an zu vermeiden.
Für wen lohnt sich ein Freistellungsauftrag?
Ein Freistellungsauftrag lohnt sich grundsätzlich für alle, die Kapitalerträge erzielen. Dazu gehören beispielsweise:
Sparer mit Tages- oder Festgeldkonten
Anleger mit ETF- oder Aktiendepots
Empfänger von Dividenden
Personen mit Zinserträgen aus verschiedenen Geldanlagen
Selbst bei vergleichsweise kleinen Erträgen kann ein Freistellungsauftrag sinnvoll sein, da er sicherstellt, dass die gesetzlichen Freibeträge optimal genutzt werden.
Fazit
Der Freistellungsauftrag gehört zu den einfachsten und gleichzeitig effektivsten Möglichkeiten, Kapitalerträge steuerlich optimal zu nutzen. Mit wenigen Minuten Aufwand kannst du verhindern, dass unnötig Steuern auf Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne einbehalten werden. Besonders bei mehreren Konten oder Depots lohnt sich eine regelmäßige Überprüfung der Freibeträge. Wer seinen Freistellungsauftrag richtig nutzt, spart nicht nur Steuern, sondern auch Zeit und bürokratischen Aufwand. Denn manchmal sind es gerade die kleinen finanziellen Stellschrauben, die langfristig einen spürbaren Unterschied machen.




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