Riester 2026: Für wen ist die Riester-Rente noch sinnvoll?
- 13. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Die Riester-Rente hat in den vergangenen Jahren einiges an Kritik einstecken müssen. Zu kompliziert, zu teuer, zu wenig Rendite – so lautet das Urteil vieler Sparer. Gleichzeitig bietet Riester etwas, das andere Anlageformen nicht automatisch mitbringen: staatliche Förderung. Doch 2026 stellt sich die Frage mehr denn je: Lohnt sich Riester überhaupt noch? Schließlich steht eine Reform der privaten Altersvorsorge bevor. Der Bundesrat hat 2026 die Reform beschlossen; die neue Fördersystematik soll ab Januar 2027 gelten. Bestehende Riester-Verträge genießen dabei Bestandsschutz und laufen grundsätzlich weiter. Wer heute über Riester nachdenkt, sollte deshalb nicht nur auf die Schlagzeilen schauen. Entscheidend ist die persönliche Situation: Einkommen, Familienstand, Kinder, Alter, Steuersatz und natürlich die Kosten des jeweiligen Vertrags.

Was ist die Riester-Rente eigentlich?
Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge. Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann neben den eigenen Beiträgen staatliche Zulagen erhalten und unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich von steuerlichen Vorteilen profitieren.
Nach der aktuell noch geltenden Förderung beträgt die Grundzulage bis zu 175 Euro pro Jahr. Für Kinder gibt es je nach Geburtsjahr eine zusätzliche Kinderzulage von 185 beziehungsweise 300 Euro jährlich. Für junge Berufseinsteiger bis zum 25. Geburtstag kommt unter bestimmten Voraussetzungen außerdem ein einmaliger Bonus von 200 Euro hinzu. Genau diese Förderung macht Riester für bestimmte Personengruppen interessant – insbesondere dann, wenn ein großer Teil der Altersvorsorge durch staatliche Zulagen mitfinanziert wird.
Für wen kann Riester 2026 besonders interessant sein?
Besonders spannend kann Riester für Familien mit Kindern sein. Denn die Kinderzulage kann einen erheblichen Teil der eigenen Sparleistung ausmachen. Für ein Kind, das ab 2008 geboren wurde, beträgt sie derzeit 300 Euro pro Jahr. Bei mehreren Kindern kann die staatliche Förderung entsprechend deutlich steigen. Auch Menschen mit eher niedrigem Einkommen können von Riester profitieren. Der erforderliche Eigenbeitrag für die volle Förderung richtet sich nach dem rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommen. Dadurch kann die staatliche Zulage gerade bei geringerem Einkommen einen vergleichsweise großen Anteil der Sparleistung ausmachen. Interessant kann Riester außerdem für Berufsanfänger sein. Wer früh mit der Altersvorsorge beginnt und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, kann den einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro erhalten. Gleichzeitig bleibt mehr Zeit, um langfristig Kapital aufzubauen. Auch Gutverdiener sollten Riester nicht automatisch ausschließen. Hier kann neben der Zulage insbesondere der mögliche Steuervorteil eine Rolle spielen. Ob dieser tatsächlich attraktiv ist, hängt jedoch stark vom individuellen Einkommen und der persönlichen Steuersituation ab.
Und was ändert sich ab 2027?
Genau hier wird es für alle interessant, die 2026 über einen neuen Vertrag nachdenken.
Mit der Reform der privaten Altersvorsorge soll die bisherige Riester-Förderung ab 1. Januar 2027 durch eine neue Fördersystematik ersetzt werden. Die Förderung soll stärker an den tatsächlich geleisteten Beiträgen ausgerichtet werden. Vorgesehen sind 50 Cent staatliche Grundzulage für jeden eingezahlten Euro bis 360 Euro und anschließend 25 Cent für weitere bis zu 1.440 Euro. Damit kann die Grundzulage künftig maximal 540 Euro pro Jahr betragen. Für Kinder ist zusätzlich eine Förderung von bis zu 300 Euro pro Kind vorgesehen. Auch der Kreis der Förderberechtigten soll erweitert werden. Ab 2027 sollen beispielsweise erstmals auch bestimmte Selbstständige und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke von der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge profitieren können. Das bedeutet allerdings nicht, dass bestehende Riester-Verträge automatisch schlecht oder wertlos werden. Für bereits bestehende Verträge gilt Bestandsschutz. Sie können grundsätzlich weitergeführt werden.
Soll man 2026 noch einen Riester-Vertrag abschließen?
Hier gibt es keine pauschale Antwort.
Wer heute einen Riester-Vertrag abschließt, sollte sich bewusst sein, dass sich die Rahmenbedingungen bereits absehbar verändern. Deshalb ist es besonders wichtig, nicht einfach irgendeinen Vertrag zu unterschreiben, sondern die Kosten, Leistungen und langfristige Perspektive genau zu prüfen. Die Deutsche Rentenversicherung weist selbst darauf hin, dass sich Abschluss- und Bearbeitungskosten je nach Anbieter deutlich unterscheiden können. Diese Kosten werden aus dem Vertragsguthaben finanziert und können dadurch die spätere Leistung reduzieren. Ein neuer Vertrag kann also sinnvoll sein, wenn die staatliche Förderung im individuellen Fall besonders attraktiv ist und die Vertragskosten sowie die erwartete Leistung dazu passen. Wer dagegen vor allem eine möglichst flexible und kostengünstige Geldanlage sucht, sollte auch andere Formen der Altersvorsorge miteinander vergleichen.
Was ist mit einem bestehenden Riester-Vertrag?
Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, sollte nicht vorschnell kündigen.
Gerade bei älteren Verträgen können bereits angesammelte Zulagen, Garantien oder andere Vertragsbedingungen eine Rolle spielen. Außerdem können bei einer Kündigung staatliche Förderungen zurückgefordert werden. Statt den Vertrag einfach aufzulösen, lohnt sich zunächst eine Bestandsaufnahme: Wie hoch sind die laufenden Kosten? Wie viel wurde bisher eingezahlt? Welche Zulagen wurden gutgeschrieben? Welche garantierte beziehungsweise voraussichtliche Leistung ist vorgesehen? Und welche Alternativen gibt es? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich sinnvoll beurteilen, ob Weiterführen, Beitragsanpassung oder ein anderer Weg sinnvoller ist.
Ein wichtiger Punkt: Die Kosten
Bei Riester wird häufig über Zulagen und Rendite gesprochen. Ein mindestens ebenso wichtiger Punkt sind jedoch die Kosten. Abschlusskosten, Verwaltungskosten und weitere Gebühren können die Rendite über viele Jahre spürbar beeinflussen. Deshalb sollte nicht allein die Höhe der staatlichen Förderung betrachtet werden. Die entscheidende Frage lautet vielmehr:Wie viel staatliche Förderung bekomme ich – und was kostet mich der Vertrag dafür? Ein Vertrag mit hoher Förderung ist nicht automatisch die beste Lösung, wenn gleichzeitig hohe Kosten die Rendite auffressen.
Riester ist nicht für jeden die beste Lösung
Trotz staatlicher Förderung bleibt Riester ein Instrument mit bestimmten Bedingungen und Regeln. Die Förderung ist an Voraussetzungen geknüpft, und die Auszahlung im Alter folgt eigenen steuerlichen Regeln. Wer beispielsweise keine oder nur geringe staatliche Förderung erhält und gleichzeitig einen kostenintensiven Vertrag hat, sollte besonders genau hinschauen. Das bedeutet nicht, dass Riester grundsätzlich schlecht ist. Es bedeutet vielmehr, dass Riester eine individuelle Entscheidung und kein Finanzprodukt für alle ist. Gerade bei der Altersvorsorge lohnt sich ein Vergleich mit anderen Möglichkeiten – etwa einer privaten ETF-basierten Geldanlage, einer betrieblichen Altersvorsorge oder anderen staatlich geförderten Vorsorgeformen.
Fazit: Für wen ist Riester 2026 noch sinnvoll?
Die kurze Antwort lautet: Für bestimmte Menschen kann Riester 2026 durchaus sinnvoll sein. Besonders interessant ist die Förderung häufig für Familien mit Kindern, Menschen mit niedrigerem Einkommen, Berufsanfänger und in bestimmten Fällen auch für Gutverdiener mit entsprechendem Steuervorteil. Gleichzeitig befindet sich die private Altersvorsorge gerade im Wandel. Die ab 2027 geplante Reform verändert die Förderlogik deutlich. Wer 2026 einen neuen Vertrag abschließen möchte, sollte deshalb besonders genau auf Kosten, Vertragsbedingungen und die langfristige Perspektive achten.




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