Risikoprofil finden: So misst du deine Risikotoleranz beim Investieren
Beim Investieren geht es nicht nur darum, die richtige Geldanlage zu finden. Eine mindestens genauso wichtige Frage lautet: Wie viel Risiko kannst du eigentlich aushalten?
Denn was auf dem Papier nach einer guten Anlagestrategie aussieht, kann sich plötzlich ganz anders anfühlen, wenn die Kurse fallen. Wer bei einem Börsenrückgang nervös wird und seine Investments vorschnell verkauft, riskiert, langfristige Verluste zu realisieren.
Genau deshalb lohnt es sich, das eigene Risikoprofil zu kennen. Es hilft dir dabei, eine Anlagestrategie zu wählen, die nicht nur zu deinen finanziellen Möglichkeiten, sondern auch zu deiner Risikotoleranz beim Investieren passt.

Was bedeutet Risikotoleranz?
Risikotoleranz beschreibt vereinfacht gesagt, wie gut du mit finanziellen Verlusten und Kursschwankungen umgehen kannst. Dabei geht es nicht nur um die Frage, wie viel Verlust du theoretisch verkraften könntest. Entscheidend ist auch, wie du dich in einer tatsächlichen Stresssituation verhältst. Ein Anleger kann beispielsweise finanziell problemlos einen zwischenzeitlichen Kursrückgang von 20 Prozent verkraften, aber trotzdem schlecht schlafen und aus Angst verkaufen. Ein anderer bleibt auch bei starken Schwankungen ruhig. Das persönliche Risikoprofil besteht deshalb aus mehreren Faktoren: deiner finanziellen Situation, deinem Anlagehorizont, deinen Zielen und deiner persönlichen Einstellung zu Risiko.
Risikofähigkeit und Risikobereitschaft sind nicht dasselbe
Ein wichtiger Unterschied wird häufig übersehen: Risikofähigkeit und Risikobereitschaft beschreiben zwei unterschiedliche Dinge. Die Risikofähigkeit zeigt, wie viel Risiko du finanziell tatsächlich tragen kannst. Wer über ein stabiles Einkommen, Rücklagen und einen langen Anlagehorizont verfügt, hat möglicherweise eine höhere Risikofähigkeit.
Die Risikobereitschaft beschreibt dagegen, wie viel Risiko du persönlich eingehen möchtest. Auch wenn du einen größeren Verlust finanziell verkraften könntest, möchtest du vielleicht trotzdem lieber vorsichtig investieren. Für eine passende Anlagestrategie sollten beide Aspekte berücksichtigt werden.
Der Anlagehorizont spielt eine entscheidende Rolle
Je länger du dein Geld nicht benötigst, desto eher kannst du kurzfristige Schwankungen aussitzen. Bei einer langfristigen Geldanlage können vorübergehende Kursverluste leichter verkraftbar sein als bei Geld, das du bereits in wenigen Jahren benötigst. Stell dir deshalb vor jeder Investition die Frage: Wann brauche ich das Geld wieder?
Geld, das du beispielsweise für eine kurzfristig geplante Anschaffung benötigst, sollte anders behandelt werden als Kapital für einen langfristigen Vermögensaufbau.
Wie viel Verlust kannst du emotional aushalten?
Eine einfache Möglichkeit, deine Risikotoleranz einzuschätzen, ist ein Gedankenspiel.
Stell dir vor, dein Depot hat einen Wert von 20.000 Euro. Durch einen starken Börsenrückgang verliert es innerhalb kurzer Zeit 20 Prozent. Dein Depot wäre dann nur noch 16.000 Euro wert.
Wie würdest du reagieren?
Würdest du ruhig bleiben und an deiner Strategie festhalten? Würdest du weniger investieren? Oder würdest du sofort verkaufen, um weitere Verluste zu vermeiden?
Es gibt hier keine richtige oder falsche Antwort. Deine Reaktion zeigt lediglich, wie du persönlich mit Schwankungen umgehst.
Deine finanzielle Situation realistisch einschätzen
Emotionale Faktoren sind jedoch nur ein Teil des Risikoprofils. Ebenso wichtig ist deine finanzielle Ausgangslage. Bevor du größere Risiken eingehst, solltest du wissen, wie stabil deine Einnahmen sind, welche regelmäßigen Verpflichtungen du hast und ob du über ausreichende Rücklagen verfügst. Ein vorhandener Notgroschen kann beispielsweise verhindern, dass du deine langfristigen Investments aufgrund einer unerwarteten Rechnung verkaufen musst. Auch bestehende Schulden, die Höhe deiner Sparrate und deine berufliche Situation können bei der Einschätzung eine Rolle spielen.
Risikoprofil regelmäßig überprüfen
Dein Risikoprofil ist nicht für immer festgeschrieben. Lebenssituationen verändern sich und damit können sich auch deine finanziellen Ziele und Möglichkeiten ändern. Ein Berufseinstieg, eine Familiengründung, ein Immobilienkauf oder der bevorstehende Ruhestand können beispielsweise dazu führen, dass du deine Anlagestrategie neu bewerten möchtest. Deshalb lohnt es sich, das eigene Risikoprofil regelmäßig zu überprüfen – insbesondere dann, wenn sich deine persönliche oder finanzielle Situation deutlich verändert.
Fazit: Risikotoleranz beim Investieren
Das eigene Risikoprofil zu kennen, ist eine wichtige Grundlage für langfristiges Investieren. Entscheidend ist dabei nicht nur, wie viel Risiko du finanziell verkraften kannst, sondern auch, wie du emotional mit Verlusten und Kursschwankungen umgehst.Betrachte deshalb deine Risikofähigkeit, Risikobereitschaft, finanzielle Situation und deinen Anlagehorizont gemeinsam. Eine gute Anlagestrategie sollte nicht nur theoretisch funktionieren. Du solltest dich auch in schwierigen Marktphasen damit wohl genug fühlen, um sie konsequent durchzuhalten. Denn die beste Strategie ist letztlich diejenige, an der du auch dann festhalten kannst, wenn die Börse einmal nicht das macht, was du dir wünschst.




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